Bauernmuseum Brookman in Osterwald
Aktivitäten / Leseabend im Bauernmuseum

Leseabend im Bauernmuseum


Foto GN:  „Hensen liest Hensen“

Erstmals lud der äußerst aktive Verein Bauernmuseum Brookman Osterwald am Freitagabend zu einem Leseabend ein. 60 Interessierte füllten die bis auf den letzten Platz besetzte Küche des Museums, um den Vorträgen mehrerer Osterwalder Bürgerinnen und Bürger zuzuhören.

Alt-Bürgermeister Johann Diekjakobs hatte auf Anregung von Gerda und Georg Hagmann die Lesung mit Werken von „Dichter und Schriewer ut Wauld“ initiiert. Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende Anita Moss („Wir freuen uns über das große Interesse“) moderierte Henriette Kronemeyer den Leseabend.

Steven Lefers („De Röste“), Gerhard Olthuis („Warum?“ - Warum kehrt kein wahrer Friede ein?) und Johann Diekjakobs („Swiene slachen“) trugen Werke von Jan Smoor vor. Landwirt Smoor lebte von 1905 bis 1993 in Alte Piccardie. „Gleichsam hinter dem Pflug“ entstanden die vielen Verse des Heimatdichters, zunächst in Hochdeutsch, später in Plattdeutsch. Im Zweiten Weltkrieg schrieb er vor allem Kriegserlebnisse auf, die die Alte Piccardie betrafen sowie die Schicksale der heimkehrenden Soldaten, der Gefallenen und Vermissten. Doch auch lustige Erzählungen und Bühnenstücke für die Landjugend gehörten zum großen Repertoire des Jan Smoor. Nur zwei Jahre (von 1916 bis 1918 im Ersten Weltkrieg) wirkte der gebürtige Osnabrücker Karl Lilienthal (1890 bis 1956) als junger und überaus fortschrittlicher Lehrer in Osterwald. Sehr still war es in der Museumsküche, als Anita Moss, Marike Vennegeerts und Gerda Vischer Passagen aus den umfangreichen Erzählungen Lilienthals vortrugen, beeindruckende Aufzeichnungen des „Mesters“ über das Leid der Menschen in der damaligen Zeit, aber auch tiefe Eindrücke darüber, wie er die Menschen kennen und lieben lernte („Langsam wachsen wir zusammen“). Angetan hatte es Lilienthal auch die Osterwalder Landschaft: „Die Welt ist so schön hier draußen.“ oder „Das Wauld ist im Sommer wie ein großer Garten.“ Übrigens erhielt im Jahre 1958 die neue Schule in Heidberg, wo Lilienthal nach seiner Osterwalder Zeit 24 Jahre tätig war, den Namen „Karl-ilienthalSchule“. Bernd Scholten, 1916 in Osterwald geboren, wanderte im Jahre 1952 mit seiner Familie nach Holland/Michigan aus. Er schrieb viele Gedichte voller Wehmut, wie „Willkommen Freunde“ anlässlich der Begrüßung von Grafschafter Reisegruppen in Holland/Michigan. Während des Leseabends trug Helga Kampherbeck dieses Gedicht vor. Weitere Gedichte lasen Gerhard Olthuis („De aule Tied“ und „Gedanken an froger“) und Johanna Spalink („Abendfrieden“ und „Auf Wiedersehen, Freunde“). Scholten starb in Holland/ Michigan. Anschließend trugen Janette Lefers und Helga Vogel mehrere plattdeutsche Geschichten („Wenn men öller wödd“ und „Auld - men wies!“) von Heinrich Hensen (1914 bis 1989) vor, der an der Leestraße in Osterwald aufwuchs und später an verschiedenen Schulen in der Grafschaft tätig war. Ein Block „Hensen liest Hensen“ beendete den kurzweiligen Leseabend. Heiner Hensen las einige launige Geschichten seines Vaters aus „Aule Knetsoam vertailt“: „In de Schole“, „Kefir“ und „Den Wiehnachtsboam“ und hoffte mit den Zuhörerinnen und Zuhörern, dass die schöne „Sproake nog ‚n bettien in’t Leven bliff“.

Johann Diekjakobs dankte in seinem Schlusswort den sehr aktiven des Bauernmuseums für die und Durchführung des Leseabends, der Gemeinde Osterwald für die finanzielle Unterstützung – dadurch konnte der komplette Erlös des Abends der Arbeit des Asylkreises in Osterwald zufließen – und den Erzählerinnen und Erzählern für ihren selbstlosen Einsatz. Es sei ihm ein großes Anliegen gewesen, mit dem Leseabend zu zeigen, dass es wichtig sei, Spuren von Menschen wie Hensen, Lilienthal, Scholten oder Smoor sichtbar zu machen.

Dieser Artikel (veröffentlicht am 15.11.2019 in den GN) wurde uns mit freundlicher Empfehlung von den Grafschafter Nachrichten für die Veröffentlichung auf unserer Homepage zur Verfügung gestellt.


 

Fotos Helga Vogel